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3 Psychologische Tricks um das Spiel zu beeinflussen


Heute betrachten wir die Spielsteuerung mal aus einer ganz anderen Sicht. Indem wir etwas tiefer in die Verhaltenspsychologie eintauchen, können wir exakte Methoden in unser Coaching einbauen um das Spiel zu unseren Gunsten zu beeinflussen. Direkt vorneweg, wir sind faire und respektvolle Trainer. Alles was du hier liest fokussiert sich auf die Kommunikation mit deiner eigenen Mannschaft, dadurch können wir aber sehr wohl auch die Schiedsrichter und Gegner beeinflussen. Du wirst auf keinen Fall anfangen aktiv mit den Gegnern zu sprechen um diese abzulenken oder auf die Schiedsrichter einreden um irgendeinen Vorteil zu generieren.


In diesem Artikel zeige ich dir exakt 3 psychologische Tricks, wie du das Spiel beeinflussen kannst.


Trick #1 - Deine eigene Mannschaft stärken

Trick #2 - Die Schiedsrichter auf deine Seite holen

Trick #3 - Die gegnerische Mannschaft schwächen


Wie bereits geschrieben, alle Tricks laufen ausschließlich über die faire Kommunikation mit unserer eigenen Mannschaft ab.



Trick #1 - Deine eigene Mannschaft stärken

Beginnen wir mit dem leichtesten Trick, der für jeden Trainer auf der ganzen Handballwelt zu einem Reflex werden sollte. In den 60 Minuten, die deine Spieler auf dem Spielfeld hart arbeiten, machen sie sehr viele gute Aktionen, aber auch einige Fehler. Deine Aufgabe als Trainer ist es, jede einzelne gute Aktion durch Lob zu verstärken und jeden Fehler durch positive Worte irrelevant zu machen.


Der Einfluss von Negativität auf die Leistungsfähigkeit von Sportlern ist mehr als ausführlich erforscht. Jeder negative Gedanke, den ein Sportler über sich selber hat, verringert seine Leistungsfähigkeit. Da du als Trainer eine Bezugsperson für deine Spieler bist, kannst du durch negative Statements durchaus negative Gedanken in den Köpfen deiner Spieler auslösen. Dadurch verringerst du sofort die Leistung deiner Spieler. Das kannst du ja nun wirklich nicht wollen. Deine Aufgabe ist es vielmehr, die aufkommenden negativen Gedanken in den Köpfen deiner Spieler sofort zu unterbrechen und durch positive zu ersetzen. Ich möchte dir hier einmal 2 Beispiele geben, wie du auf die exakt gleiche Situation reagieren kannst, die eine komplett unterschiedliche Wirkung entfalten.


Situation: Leon wirft zum 3. Mal von Rückraum Links aus einer guten Situation in den Block, seine Wurfquote ist 0/3 nach 7 Minuten Spielzeit.


Beispiel 1: "Man Leon was soll die Scheiße?! Du wirfst zum 3. Mal in den Block, versteh doch endlich, dass das nicht funktioniert." (Hören wir leider viel zu häufig in deutschen Hallen)


Beispiel 2: "Richtige Entscheidung Leon! Die Situation war genau richtig, probier das nächste Mal etwas weiter am Block vorbei zu springen, dann klappt das!"


Was glaubst du, nach welchem Statement ist die Chance höher, dass Leon die restlichen 53 Minuten noch ein richtig gutes Spiel abliefert?

Natürlich Beispiel 2. Wenn du das so schwarz auf weiß liest, ist es sehr einfach das zu verstehen und mir zuzustimmen. Im Spiel fällt es vielen Trainer leider häufig sehr sehr schwierig, positiv mit ihren Spielern zu sprechen. Sei keiner dieser Trainer, achte aktiv auf deine positive Wortwahl mit deinen Spielern um sie in jeder Spielsituation positiv zu unterstützen. Natürlich ist auch Beispiel 2 keine Garantie dafür, dass Leon noch ein richtig gutes Spiel abliefert, aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich höher!


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Trick #2 - Die Schiedsrichter auf deine Seite holen


Jeder Schiedsrichter gibt sich immer die größte Mühe komplett neutral und vernünftig auf beiden Seiten zu pfeifen. Kein Schiedsrichter hat ein Interesse daran, eine Seite zu bevorteilen oder die andere zu benachteiligen. Diese Entscheidung zur Neutralität läuft ganz bewusst ab, jedoch hat jeder Mensch im Unterbewusstsein bestimmte Sympathien für manche Menschen und bestimmte Bedürfnisse, die diese bewusste Neutralität etwas beeinflussen. Das Gute zuerst, jeder Schiedsrichter ist auch ein Mensch, deswegen gelten die psychologischen Gesetzen auch bei Schiedsrichtern.


Damit du ganz einfach verstehst, wie du die Schiedsrichter auf deine Seite holen kannst, möchte ich dir ein Beispiel geben, das in so gut wie jedem Handballspiel vorkommt: "Ein Trainer fordert aktiv Zeitspiel, die Schiedsrichter lassen das Spiel extra etwas länger laufen, bevor sie Zeitspiel anzeigen". Damit hat der Trainer exakt das Gegenteil von dem bewirkt, was er eigentlich wollte.


Warum ist das passiert?


Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Anerkennung und die Angst vor Ablehnung. Gleichzeitig handeln Menschen immer schneller aus Angst, um eine unangenehme Situation zu vermeiden, als aus dem Bedürfnis eine angenehme Situation herzustellen. Damit gewinnt die Angst vor Ablehnung gegen das Bedürfnis nach Anerkennung. Wenn wir uns jetzt das Beispiel angucken, dann gibt es 4 Parteien, die die Handlung des Schiedsrichters beurteilen. Trainer A (der das Zeitspiel fordert) und das dazugehörige Publikum A, sowie Trainer B und das dazugehörige Publikum B. Wenn der Schiedsrichter nun der Zeitspiel-Forderung nachkommt, bekommt er Anerkennung von Trainer A & Publikum A, jedoch gleichzeitig Ablehnung von Trainer B & Publikum B. Da die Angst vor Ablehnung größer ist, kann der Schiedsrichter der Forderung von Trainer A nicht nachkommen, da er sonst von Trainer B & Publikum B abgelehnt wird.


Das war jetzt eine Menge Theorie, deswegen möchte ich dir direkt zeigen, wie du es besser machst. Du musst also die Angst vor Ablehnung im Kopf der Schiedsrichter umgehen, sie darf nicht existieren. Dafür sprichst du ganz einfach mit deiner Mannschaft, du könntest z.B. folgendes sagen: "Sehr gute Deckung Männer, die (Gegner) wissen schon gar nicht mehr was sie tun sollen, gleich werdet ihr belohnt". Dadurch gibst du den Schiedsrichtern die Chance, die Situation aus ihrer eigenen Sicht zu bewerten und dir aktiv zuzustimmen oder zu widersprechen. Das läuft natürlich nur in Gedanken und meistens unterbewusst ab. Es gibt keine Angst vor Ablehnung, da du als Trainer nichts gefordert hast, du hast nicht mal mit den Schiedsrichtern gesprochen. Dementsprechend kommt auch nicht die Stimmung in der Halle auf, dass die Schiedsrichter Zeitspiel anzeigen, weil du es wolltest. Wenn die Schiedsrichter die Situation nun aus ihrer Sicht bewerten und zu dem Ergebnis kommen, dass den Gegnern wirklich nichts mehr einfällt, dann können sie unabhängig entscheiden und Zeitspiel anzeigen. Wenn sie dir unterbewusst nicht zustimmen, dann werden sie kein Zeitspiel anzeigen, sie haben aber auch nicht das negative Gefühl, dass du probierst sie aktiv zu beeinflussen. Damit kannst du durch diese Methode ausschließlich gewinnen und nichts verlieren.

Ein letzter Hinweis noch zu Schiedsrichtern: Wie schon gesagt, sie sind normale Menschen. Schiedsrichter haben mal gute Tage und mal schlechte Tage, genau wie du als Trainer und wie deine Spieler. Also erwarte nicht, dass jeder Schiedsrichter in jedem Spiel eine Top-Leistung abliefert, sondern gestehe jedem Schiedsrichter auch Fehler zu. Das gehört ganz normal zum Sport. Behandle sie respektvoll, so wie du jeden Menschen respektvoll behandeln sollst und bedanke dich dafür, dass sie diese ungeliebten Job ausführen. Ohne Schiedsrichter können wir kein Handball spielen, also trage deinen Teil dazu bei, dass wir die aktiven Schiedsrichter behalten und neue dazu gewinnen!



Trick #3 - Die gegnerische Mannschaft schwächen


Lass uns als letztes darüber sprechen, wie du die gegnerische Mannschaft durch psychologische Tricks schwächen kannst und dabei natürlich 100% sportlich und fair bleibst.


Die Grundlage dafür bildet deine Körpersprache als Trainer und dein Selbstbewusstsein, welches du ausstrahlst. Wenn diese beiden Sachen nicht "on point" sind, dann kannst du auch keinen Spieler beeinflussen. Also achte darauf, dass du immer einen selbstsicheren Eindruck vermittelst, du viel Raum in deiner Coaching-Zone einnimmst (bewege dich, stehe anstatt zu sitzen und benutze deine Arme zur Artikulation) und du durchweg positiv und zuversichtlich mit deiner Mannschaft sprichst. Die Gegner müssen merken, dass du einen Matchplan hast und dieser gerade aufgeht, selbst wenn ihr mit 5 Toren hinten liegt. Wenn du diese Ausstrahlung beherrscht, dann kannst du mit simplen Tricks auch die gegnerische Mannschaft schwächen.


Wenn ihr z.B. gerade in Unterzahl decken müsst, weil einer deiner Spieler eine 2-Minuten Zeitstrafe absitzt, dann kannst du durch bestimmte Kommandos den Druck auf einzelne Spieler der gegnerischen Mannschaft erhöhen. Du hast im Spiel gemerkt, dass der Linksaußen ein sehr sicherer Schütze ist, der Rechtsaußen aber eher unsicher. Dann könntest du zu folgender Ansage greifen: "Männer wir sind jetzt in Unterzahl, haltet die rechte Seite und die Mitte dicht (aus Abwehrsicht decken wir damit Rückraum & Linksaußen), der Rechtsaußen darf werfen. Dafür steht Niklas im Tor, der hält den Wurf zu 100%". Durch solche Aussagen als Coach vermittelst du deiner eigenen Mannschaft und auch der gegnerischen Mannschaft, dass du als Trainer jederzeit das Spiel voll unter Kontrolle hast. Du stärkst das Vertrauen in deinen Torhüter und gleichzeitig setzt du den Rechtsaußen massiv unter Druck, ohne diesen direkt anzusprechen. Spieler die nicht so sichere Werfer sind, sind meistens auch mental etwas schwächer. Dadurch erhöhst du die Wahrscheinlichkeit enorm, dass wenn der gegnerische Rechtsaußen zum Wurf kommt, dieser von deinem Torwart entschärft wird. Eventuell traut sich der Spieler nicht mal aufs Tor zu werfen.


Das funktioniert natürlich deutlich besser, wenn du mit deiner Mannschaft in der Kreisliga unterwegs bist, als wenn du Bundesligatrainer bist.


Mit diesen 3 psychologischen Tricks hast du nun ein weiteres Werkzeug an der Hand, wie du das Spiel zu deinen Gunsten beeinflussen kannst. Dabei möchte ich zum Schluss nochmal den Hinweis geben. Wir als Trainer agieren immer zu 100% respektvoll, sportlich und fair. Du sprichst nicht beleidigend über andere Spieler, du sprichst nicht direkt zu gegnerischen Spielern um diese abzulenken und du behandelst Schiedsrichter immer genau so, wie du auch selber behandelt werden möchtest.


Viel Erfolg damit und wir sehen uns in der Halle, Malte


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